Leben im Schlaraffenland der Möglichkeiten…

Wirst du auch von IHNEN verfolgt?

Hinter jeder Ecke, in jedem Raum und an jedem Ort lauern SIE… Ob morgens gleich nach dem Aufwachen, beim Autofahren, bei Gesprächen mit Freunden, bei der Arbeit, beim Surfen im Internet, vor dem Einschlafen… überall sind SIE da und drängen sich dir auf – die guten Ideen!

Aber im Ernst: Als einigermaßen kreativer, intelligenter, zupackender Mensch (und das unterstelle ich dir jetzt einfach mal… 😉 ) wird man von guten Ideen wirklich geradezu verfolgt. Ideen für Projekte, für Geschenke, für Freizeitunternehmungen, für neue Geschäftsideen, für Webseiten, für Bücher oder Texte, für Kreatives, für andere Jobs… Ideen, Ideen, und noch mehr Ideen.

Die größte Schwierigkeit in jeder Lebenslage ist meist nicht, sich zu überlegen, was man tun könnte – sondern sich zu entscheiden, was man besser bleiben lässt.

Das ganze Leben ist wie ein Schlaraffenland der Möglichkeiten.

Etwas tun? Etwas Neues tun? Noch etwas Anderes tun? Doch etwas Neues anfangen? Und diese Idee hier klingt doch auch noch interessant? Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt – deine Zeit und Energie leider nicht.

Trotzdem sind diese ganzen Ideen und Möglichkeiten oft einfach zu verlockend. Sie passen zwar nicht wirklich zu deinem derzeitigen Weg, deinem Hauptprojekt, deinem Lebensanliegen. Aber alles klingt so spannend. Es würde doch irgendwie Spaß machen, das auch noch zu tun. Und so ein kleines bisschen Zeit für ein klitzekleines Nebenprojekt wird sich schon noch irgendwo finden, oder?

Leider ist das aber ein Trugschluss.

Die Zeit für ein halbes Dutzend oder mehr „klitzekleine“ Projekte geht dir von anderen Dingen ab: deiner Familie, dir selbst oder deinen Lebenszielen. Die Energie für diese zusätzlichen Projekte fehlt dir, um einen wichtigen Text oder Brief zu schreiben, Sport zu treiben oder mit deinen Kindern zu spielen.

Manchmal reden wir uns dann ein, dass wir doch beides verknüpfen könnten: Unsere laufenden Dinge und die neuen Ideen. Und manchmal, in seltenen Fällen, lässt sich eine neue Idee tatsächlich in etwas Bestehendes integrieren. Oft ist sie aber einfach genau das: eine neue Idee, die ebenfalls Raum in deinem Leben verlangt.

An dieser Stelle musst du dich dann entscheiden: Sind deine „alten“ Projekte und Unternehmungen wichtig und richtig? Fühlt es sich gut an, sie weiter zu verfolgen? Oder ist es an der Zeit, sie aufzugeben und etwas Neues anzufangen?

Schlussendlich kannst du nicht alles tun: Wenn eine Sache hinzukommt, muss eine andere weichen. Das nächste Mal, wenn du mit dem Gedanken liebäugelst, diese eine kleine Projekt doch noch zusätzlich anzufangen (nur am Wochenende oder nebenher selbstverständlich!), dann überleg dir doch einfach, was du stattdessen bleiben lassen oder aufgeben wirst. Meist rückt sich die Bedeutung einer neuen Idee dann sehr schnell zurecht – soooo wichtig ist sie dir dann doch nicht, dass du dafür etwas anderes aufgeben würdest.

Und wenn du dann eine DIESER Ideen hast…

… Du weißt schon, was ich meine… eine dieser wahnsinnigen, packenden, großen, mitreißenden Ideen… eine Idee für die du selbstverständlich etwas anderes aufgeben würden… dann gibt’s nur eins: Loslegen!

Bei allen anderen Ideen kannst du dich gelassen fragen: Bringt mich genau diese Idee genau jetzt in genau dem weiter, was ich eigentlich tun will? Also nicht in irgendwelchen Dingen, die ich „auch gerne mal“ tun würde, sondern in meinem Herzensanliegen? Oder lenkt sie von meinem eigentlichen Weg ab, so reizvoll sie auch ist?

Wenn eine Idee nicht essentiell für deinen nächsten Schritt im Leben ist (und das ist bei den meisten Ideen der Fall, so gut sie auch sein mögen), dann bedanke dich bei ihr für die Anregungen und Motivation, die sie dir gegeben hat. Und danach lass‘ sie gehen – gute Ideen haben es verdient, in Freiheit auf den zu warten, dem sie ein Herzensanliegen sind!

Die Verführung zum Nichtstun

Im Titel habe ich den Vergleich mit einem Schlaraffenland übrigens sehr bewusst gewählt… Das Schlaraffenland steht ja auch für Müßiggang und Nichtstun, für faules Herumliegen und sich treiben lassen.

Und obwohl kreative Menschen mit Antrieb ja eigentlich genau zu diesen Eigenschaften nicht neigen, verführt uns das Schlaraffenland der Möglichkeiten doch manchmal auf ganz hinterhältige Weise zum Nichtstun. Denn während wir Möglichkeiten abwägen, Ideen generieren und Projektkonzepte entwickeln, läuft draußen das Leben weiter. Und in der gleichen Zeit, in der wir zehn Projekte planen und entwickeln und durchdenken, könnten wir auch eins davon auf die Beine stellen und ins Leben entlassen.

Ich bin selbst in diese Falle nicht erst einmal getappt. Habe geplant und entworfen, anstatt etwas auf die Beine zu stellen. Habe versucht, mich zwischen Projektideen zu entscheiden, anstatt einfach eine davon anzupacken und zu sehen, wohin mich das führt. Und ich würde gerne behaupten, dass mir dieser Fehler nicht mehr passieren wird, aber du weißt schon… es gibt wirklich soooo viele gute und reizvolle Ideen da draußen… 😉

Vielleicht gönnen wir uns einfach ab und zu das Vergnügen, für eine oder zwei Stunden hemmungslos in allen Ideen zu schwelgen, die uns einfallen. Sie zu planen, auszuarbeiten, und überhaupt einfach möglichst viele Ideen zu entwickeln. Und dann lassen wir diese ganzen schönen Ideen wieder frei und konzentrieren uns auf die Dinge, die uns am Allerwichtigsten sind, und tun das, was uns auf unserem Weg weiterbringt.

Na, wie klingt das?

Regine Becher

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