Dich selbst aushalten

Es ist nicht immer einfach, alles auszuhalten, was das Leben so mit sich bringt. Rückschläge und Niederlagen. Abschied und Trennung. Neuanfang und Veränderung. Bestimmte Situationen und manche Menschen.

Am Schwersten ist es aber, dich selbst auszuhalten. Deine Gedanken und deine Gefühle – vor allem die, die nicht positiv sind, die dir keine Freude machen. Die Gefühle und Gedanken, die du manchmal nicht mal vor dir selbst zugeben möchtest. Angst, Scham, Wut, Hass, Unsicherheit, Verzweiflung, Trauer.

Dich selbst auszuhalten bedeutet, deine Gefühle auszuhalten – alle deine Gefühle. Auch die Angst.

Wir alle haben im Lauf unseres Lebens Strategien entwickelt, wie wir diesen Gefühlen ausweichen oder sie verdrängen. Fernseher, Computer oder Smartphone. Alkohol, Zigaretten oder zuviel Kaffee. Ablenkung und Unterhaltung, allein oder durch andere. Hirnlose Shows oder seichte Bücher mit den überbordenden Gefühlen von Kunstfiguren.

Beobachte dich mal dabei: Wann und vor allem wie weichst du deinen eigenen Gefühlen aus?

Wenn du dir selbst gerecht werden willst, deinem ganzen Selbst, dann wirst du dich selbst aushalten müssen – dein ganzes Selbst. Auch die Teile, vor denen du bisher lieber davongelaufen bist.

Dein Bild von dir selbst

Du hast ein Bild von dir selbst, irgendwo in dir drin.

Ein ganz genaues Bild davon, wie du aussiehst. Wie du dich in jeder Situation verhältst. Wie erfolgreich du bist. Mit welchen Menschen du zusammenkommst. Wie du auf diese und auf andere Menschen reagierst. Wie du lebst. Was du gerne isst und ob du gerne Sport treibst. Ein Bild davon, was dich zum Lachen bringt und was dir Angst macht.

In jeder Sekunde deines Lebens versuchst du, diesem Bild gerecht zu werden. Es ist dein eigener Anspruch an dich selbst, so zu sein und nicht anders.

Veränderung beginnt damit, dein eigenes Bild von dir selbst zu verändern.

Noch mal am Anfang stehen…

Gibt es in deinem Leben eine Zeit, in der du frei warst?

Frei von Sachzwängen, Verpflichtungen, Geldsorgen. Frei von Anforderungen. Frei von Menschen, um die du dich kümmern musst, und von Dingen, die erledigt werden müssen?

Eine Zeit, in der du die Wahl hattest, was du mit deinem Leben anfangen willst. Die Freiheit, jeden Tag zu entscheiden, was du tun willst. Die Freiheit, deinen eigenen Weg zu gehen, wo auch immer der hinführt. Selbst wenn du diese Freiheit damals gar nicht wahrgenommen oder genutzt hast?

Vielleicht am Anfang deines Studiums, oder am Ende deiner Schulzeit? Während eines Aufenthalts im Ausland oder einer längeren Zeit ohne Arbeit? Vielleicht bevor die Kinder kamen, oder bevor du all die Dinge gekauft hast, die jetzt bezahlt und versorgt werden müssen?

Damals wusstest du diese Freiheit wahrscheinlich nicht zu schätzen. Aber damals warst du auch noch nicht der oder die, die du heute bist.

Wenn du jetzt, mit all deiner Lebenserfahrung, noch einmal so leben könntest wie damals – was würdest du tun, an das du damals gar nicht gedacht hast? Was würdest du dich trauen, das du dich damals nicht getraut hast? Was würdest du aus deinem Leben machen?

Und was hält dich davon ab, genau diese Dinge heute zu tun?

Erfolg durch das „richtige“ Selbstbild?

Manche Bücher lege ich nach dem Lesen zur Seite, reibe mir verwundert die Augen und frage mich: War mir das nicht alles vorher schon klar?

Bei genauerem Nachdenken stellt sich dann aber manchmal heraus, dass ich mir diese Dinge genau so doch noch nicht vergegenwärtigt hatte (und sie ganz sicher auch nicht konsequent in meinem Leben umgesetzt habe). Aber die Erkenntnisse aus diesen Büchern sind eben so einleuchtend und überzeugend, dass es mir so vorkommt, als ob ich das alles immer schon gewusst hätte.

Solch einen „Ja klar doch!“-Moment hatte ich auch bei der Lektüre von Carol Dwecks „Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt“.* Weiterlesen Erfolg durch das „richtige“ Selbstbild?

Kleine Ursache, große Wirkung

In meinem letzten Post ging es um’s Ausräumen und Loslassen, und vor allem darum, Platz zu machen für Neues in deinem Leben.

Im Nachhinein ist mir dann aufgefallen, dass diese Liste mit Bereichen, in denen du aussortieren könntest, leicht missverstanden werden kann.

Ich glaube nicht, dass du dein (oder ich mein) Leben perfekt in Ordnung bringen musst. Im Gegenteil: „perfekt“ ist eine Illusion, und das Leben ist immer zu einem gewissen Grad chaotisch, unbalanciert, unstrukturiert und unsortiert. Das macht ja gerade den Spaß aus!

Worum es mir ging ist, die Leichtigkeit des Frühlings auf dein Leben zu übertragen. Mit Leichtigkeit und Spaß ein paar Dinge wegzuwerfen oder wegzugeben, und damit ganz entspannt Platz zu machen für etwas anderes. Das Richtige wird dann schon zu dir kommen.

Ganz verbissen alles in Ordnung bringen zu wollen wäre hingegen eine Sackgasse, die dir keinen Raum zur Entfaltung lässt…

Frühjahrsputz… Raum machen für Neues

Die Sonne strahlt am Himmel, und der kalte Ostwind hat sich wenigstens soweit gelegt, dass man jetzt (endlich!) die Veilchen riecht… Zeit für einen Frühjahrsputz der etwas anderen Art!

Putzen ist ja, ebenso wie das unweigerlich dazugehörende Aufräumen, eigentlich nur eins: Unerwünschtes aus dem Haus bringen.

Im Fall des Frühjahrsputzes ist dieses „Unerwünschte“ Staub oder anderweitige Ablagerungen, die wir irgendwie doch lieber aus unserem Leben entfernen möchten. Und wenn du diese Dinge losgeworden bist, dann fühlt sich die Welt gleich viel besser an.

Ganz ähnlich ist es auch bei einem Frühjahrsputz im übertragenen Sinne:

Wenn du Unerwünschtes oder nicht mehr Benötigtes aus deinem Leben entfernst, dann fühlt sich die ganze Welt gleich viel leichter und beschwingter an. Frühlingshaft eben…

Vielleicht weißt du selbst schon ganz genau, welche Dinge du schon seit langem „aufräumen“ oder „durchputzen“ wolltest. Vielleicht hast du aber auch nur das ganz generelle Gefühl, dass sich irgendwo etwas ändern muss. Für diesen Fall sind hier ein paar Ideen für Dinge, bei denen du mit deinem etwas anderen Frühjahrsputz anfangen könntest: Weiterlesen Frühjahrsputz… Raum machen für Neues

Wenn du nicht weiterweißt – eine kleine Typologie schwieriger Entscheidungen…

Sich zu entscheiden, kann ja ganz schön schwierig sind – vor allem, wenn es um einen wichtigen Schritt in deinem Leben geht.

Und einerseits bist du ja in deiner ganz speziellen Lebensituation, die mit der von anderen Menschen nicht vergleichbar ist. Also kannst du auch nur eine Entscheidung ganz speziell für deine Situation treffen – eine vorgefertigte Liste mit Entscheidungen, die für die 10 häufigsten schwierigen Situationen jeweils die passende Lösung parat hat, die gibt es natürlich nicht.

(Obwohl das manchmal schon echt praktisch wäre… Einfach auf Seite 17 aufschlagen und nachlesen, wie du mit deinem Leben weitermachst. Der Gedanke hat ja schon einen gewissen Reiz… 😉 )

Aber im echten Leben funktioniert das eben grade nicht so. Deine Lebenssituation ist individuell. Deine Kombination aus Vorlieben und Abneigungen, Stärken und Schwächen ist einzigartig. Und deine Erfahrungen und Kenntnisse hast nur du.

Und jetzt weißt du zwar, dass du etwas ändern willst oder musst. Aber was du tun kannst oder sollst, das weißt du nicht.

Dumm, nicht wahr? Vor allem weil dir bei deiner individuellen Situation ja auch keiner von außen so recht weiterhelfen kann — oder doch?

Spannenderweise sind es bei allen Unterschieden immer wieder die gleichen Stellen, an denen wir in unseren Entscheidungsprozessen festhängen. Deshalb habe ich heute für dich mal eine kleine Typologie der Spezies „Entscheidungsprobleme“ zusammengestellt…

Gehen oder bleiben, das ist hier die Frage!

Frei nach Hamlet… naja, so ähnlich jedenfalls.

Der Kern des Problems ist hier immer der Gleiche: Es gibt etwas Bestehendes, Altes, Funktionierendes. Und es gibt etwas Neues, Unbekanntes.

Und nun weißt du nicht, ob du dich für „Gehen“ (hin zum Neuen) oder „Bleiben“ (beim Alten) entscheiden sollst.

Vielleicht kommst du mit deiner bestehenden Situation zwar zurecht, aber so wirklich zufrieden bist du auch nicht. Oder du erhoffst dir von einem Wechsel neuen Schwung und neue Möglichkeiten. Oder eine Veränderung liegt nahe (durch Dinge, die du nicht beeinflussen kannst), aber du willst sie eigentlich gar nicht so recht.

Im Grunde ist die Frage jedoch immer die Gleiche: Bleibe ich beim Alten, oder gehe ich zum Neuen?

Da spielt natürlich im Hintergrund viel mit: Ängste und Sorgen über die Veränderung, oder Probleme in deiner bestehenden Situation. Ein Wechsel nur um des Wechsels willen macht die Dinge natürlich auch nicht automatisch besser. Und es fällt dir sehr schwer zu entscheiden, ob du das, was dich stört, am besten in deiner alten Umgebung oder Situation abstellen kannst – oder ob ein klarer Schnitt besser wäre.

Wenn du selbst schon einmal vor einem Entscheidungsproblem der Form „Gehen oder Bleiben?“ gestanden hast, dann weißt du: Leicht ist diese Entscheidung nicht!

So geht’s nicht weiter – aber wie dann?

Das ist vielleicht der Typ Entscheidungsproblem, der uns am Häufigsten begegnet!

Du weißt, dass es so nicht weitergeht. Du bist unzufrieden, überarbeitet, bewegst nichts, tust nur Dinge, die dich nicht weiterbringen, deine Beziehung stagniert, …

Soweit sind die Dinge klar: Es muss sich etwas ändern!

Was du allerdings nicht weißt, ist wie es denn nun weitergehen könnte. Was du ändern sollst. Was der richtige Weg für dich ist.

Möglichkeiten gibt es natürlich viele, aber… Daraus konkrete Ideen abzuleiten ist gar nicht so einfach.

Und weil das Bestehende ja immerhin funktioniert (wenn auch nicht gut), kommst du mit deinen Überlegungen auch irgendwie nicht so recht voran.

Eine ganz schön hinterhältige Herausforderung! Vor allem weil dein Leidensdruck erst groß genug werden muss, bis du dann wirklich aktiv wirst. Bis dahin hast du aber wahrscheinlich schon ganz schön viel und vielleicht auch lange gelitten.

Der Brummkreisel

Die Entscheidung zwischen zwei klar definierten Möglichkeiten. Das klassische Dilemma. Vielleicht etwas seltener als der letzte Entscheidungs-Typ, aber deshalb nicht weniger schmerzhaft!

In diesem Fall sind die Optionen klar: Es gibt Möglichkeit A und Möglichkeit B zur Auswahl. Und dazwischen stehst du und kannst dich nicht entscheiden.

Für jedes Argument für Option A gibt es auch ein genauso gutes Argument für Option B. Oder gegen beide. Und du wälzt diese Vor- und Nachteile, wägst sie ab und durchdenkst sie… bis dir der Kopf schwirrt und du erst recht nicht weißt, was du tun sollst.

Deshalb hat dieser Typ Entscheidungsschwierigkeit seine Bezeichung „Brummkreisel“ auch eindeutig verdient!

Und was bringt dir das nun?

Eine gute Frage! Mal ganz davon abgesehen, dass es nicht schaden kann, eine verfahrene Situation auch mal mit Humor zu nehmen… 😉

Klar ist dein Problem und deine derzeitige Situation ganz einzigartig. Aber trotzdem gibt es genügend Gemeinsamkeiten mit anderen Situationen.

Oder andersherum gesagt: Die meisten schwierigen Situationen, in denen wir nicht so recht weiterkommen, gehören zu einem dieser Typen oben, oder sind wenigstens ganz eng damit verwandt.

Das bedeutet aber auch: Wenn es Strategien gibt, um solch einen „Problemtyp“ zu bewältigen, dann funktionieren diese Strategien in sehr vielen Lebenslagen und vielen individuellen Situationen. Und das gibt dir auf einmal die Möglichkeit, zukünftig mit sehr wenigen grundlegenden Strategien alle deine schwierigen Situationen und Entscheidungen zu bewältigen.

Ist das nicht ein erfreulicher Gedanke?

Sich selbst ins Boot holen

Es gibt so Wochen, da geht einfach gar nichts. Das soll nicht heißen, dass du nichts tust, ganz im Gegenteil! Meist sind das die Wochen, in denen du von morgens bis abends damit beschäftigt bist, Dinge wegzuarbeiten und Sachen zu erledigen. Du bist im Stress, hast schon ganz viel erledigt und die Todo-Liste wächst trotzdem immer weiter, und irgendwie kommst du einfach nicht voran.

Und das Schlimmste: Das, was dir wirklich wichtig ist, bleibt irgendwie auf der Strecke. Tiefkühlpizza und „laufen geh ich morgen“ anstatt gesunder Ernährung und regelmäßigem Sport… Abends noch schnell Emails erledigen anstatt mit den Kindern zu spielen oder mit Freunden wegzugehen… Arbeiten bis in die Nacht, aber deine wirklich wichtigen Projekte bleiben liegen…

Irgendwie scheinen solche Phasen zum Leben dazuzugehören.

Und vielleicht fühlst du dich dann besonders mut- und kraftlos, Weiterlesen Sich selbst ins Boot holen