Die Kunst, etwas zu tun

Es gibt Dinge, die du gerne tun würdest. Wirklich gerne. Weil sie dir wichtig sind. Und du bewunderst alle anderen, die genau das schaffen.

Aber du selbst, du schaffst es einfach nicht.

Dabei ist das Geheimnis ganz einfach: Die Kunst, etwas zu tun, liegt darin, es zu tun.

Die Kunst, etwas zu tun, liegt darin, es zu tun.

(Eine wunderbar philosophische Tautologie, nicht wahr? 😉 )

Seth Godin veröffentlichte neulich einen Artikel auf seinem Blog – genauer gesagt, seinen 7.000sten Artikel. Auf Seths Blog erscheint täglich ein neuer Artikel. Von ihm selbst geschrieben. An jedem einzelnen Tag im Jahr.

Wir rechnen kurz: 7.000 Artikel – das macht gut 19 Jahre. Fast 20 Jahre lang täglich ein Artikel.

Unfassbar, oder? Und für die meisten von uns wahrscheinlich nicht zu schaffen. Aber warum eigentlich?

Seth selbst schreibt: „The secret to writing a daily blog is to write every day. And to queue it up and blog it. There is no other secret.“. Oder auf Deutsch: „Die Kunst, täglich zu bloggen, liegt darin, jeden Tag zu schreiben. Und es zu veröffentlichen. Es gibt kein anderes Geheimnis.“

Die Kunst ist also, es zu tun.

Vor einiger Zeit habe ich von einer 24-Stunden-Wanderung berichtet. Auch hierüber sagen die meisten Menschen ganz spontan, dass sie das nie schaffen würden.

Dabei besteht die Kunst einer 24-Stunden-Wanderung mit gemäßigten Kilometerzahlen einfach darin, eine kurze Nacht im Schlafsack zu überstehen und ansonsten einen Fuß vor den anderen zu setzen. Es gibt kein Geheimnis.

Was schaffst du nicht, obwohl du es eigentlich willst?

Und worin besteht die Kunst, es zu tun?

Du bist genau da, wo du hin willst – aber wie kommst du da weg?

Irgendwo bist du im Moment.

In einer ganz bestimmten Lebenslage. Einer Stimmung oder Gemütslage. In ganz bestimmten äußeren und inneren Umständen.

Und da du ein Mensch bist wie jeder andere auch, stehen die Chancen gut, dass du da, wo du bist, nicht zufrieden bist.

Du fragst dich, wo du eigentlich hin willst, und wer du eigentlich bist.

Wie du da hin kommst, und ob du das wirklich riskieren sollst.

Welche anderen Wege oder Möglichkeiten es noch für dich gibt, oder wie du zwischen diesen vielen Optionen jemals entscheiden sollst..

Ob sich jemals ein guter Weg für dich auftun wird.

Wieviel du überhaupt verändern musst, um glücklich zu sein.

Ob du dein Ziel jemals erreichen wirst.

Und natürlich, was dein Ziel überhaupt ist.

Aber hast du dich schon jemals gefragt, WARUM du gerade da bist, wo du bist? Ob du vielleicht genau da bist, wo du hin wolltest?

Oder anders gefragt:

Was sind für dich die Vorteile, die deine jetzige Situation bietet? Was macht es für dich am Besten, da zu sein, wo du bist? (Und vor allem: Welche versteckten Vorteile gibt es, die du vielleicht selbst zunächst nicht siehst?)

Denn wenn du irgendwo anders hin willst, dann wird das nur unter einer Bedingung funktionieren: Wenn diese neue Situation für dich in der Summe mehr (versteckte und offensichtliche) Vorteile bietet als deine jetzige Situation.

Warum solltest du sonst etwas verändern?

Zu diesem Text angeregt wurde ich übrigens durch „Seelenquickies“ von Veit Lindau, einem Abreißkalender, den es auch für 2018 wieder gibt. (Und wie immer erhalte ich eine Provision, wenn du auf diesen Link klickst und dann bei Amazon etwas kaufst.)

Dein Bild von dir selbst

Du hast ein Bild von dir selbst, irgendwo in dir drin.

Ein ganz genaues Bild davon, wie du aussiehst. Wie du dich in jeder Situation verhältst. Wie erfolgreich du bist. Mit welchen Menschen du zusammenkommst. Wie du auf diese und auf andere Menschen reagierst. Wie du lebst. Was du gerne isst und ob du gerne Sport treibst. Ein Bild davon, was dich zum Lachen bringt und was dir Angst macht.

In jeder Sekunde deines Lebens versuchst du, diesem Bild gerecht zu werden. Es ist dein eigener Anspruch an dich selbst, so zu sein und nicht anders.

Veränderung beginnt damit, dein eigenes Bild von dir selbst zu verändern.

Noch mal am Anfang stehen…

Gibt es in deinem Leben eine Zeit, in der du frei warst?

Frei von Sachzwängen, Verpflichtungen, Geldsorgen. Frei von Anforderungen. Frei von Menschen, um die du dich kümmern musst, und von Dingen, die erledigt werden müssen?

Eine Zeit, in der du die Wahl hattest, was du mit deinem Leben anfangen willst. Die Freiheit, jeden Tag zu entscheiden, was du tun willst. Die Freiheit, deinen eigenen Weg zu gehen, wo auch immer der hinführt. Selbst wenn du diese Freiheit damals gar nicht wahrgenommen oder genutzt hast?

Vielleicht am Anfang deines Studiums, oder am Ende deiner Schulzeit? Während eines Aufenthalts im Ausland oder einer längeren Zeit ohne Arbeit? Vielleicht bevor die Kinder kamen, oder bevor du all die Dinge gekauft hast, die jetzt bezahlt und versorgt werden müssen?

Damals wusstest du diese Freiheit wahrscheinlich nicht zu schätzen. Aber damals warst du auch noch nicht der oder die, die du heute bist.

Wenn du jetzt, mit all deiner Lebenserfahrung, noch einmal so leben könntest wie damals – was würdest du tun, an das du damals gar nicht gedacht hast? Was würdest du dich trauen, das du dich damals nicht getraut hast? Was würdest du aus deinem Leben machen?

Und was hält dich davon ab, genau diese Dinge heute zu tun?

Erfolg durch das „richtige“ Selbstbild?

Manche Bücher lege ich nach dem Lesen zur Seite, reibe mir verwundert die Augen und frage mich: War mir das nicht alles vorher schon klar?

Bei genauerem Nachdenken stellt sich dann aber manchmal heraus, dass ich mir diese Dinge genau so doch noch nicht vergegenwärtigt hatte (und sie ganz sicher auch nicht konsequent in meinem Leben umgesetzt habe). Aber die Erkenntnisse aus diesen Büchern sind eben so einleuchtend und überzeugend, dass es mir so vorkommt, als ob ich das alles immer schon gewusst hätte.

Solch einen „Ja klar doch!“-Moment hatte ich auch bei der Lektüre von Carol Dwecks „Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt“.* Weiterlesen Erfolg durch das „richtige“ Selbstbild?

„Das würde ich NIE schaffen!“

Neulich, eine 24-Stunden-Wanderung…

Falls du das Konzept nicht kennst: Menschen treffen sich, um gemeinsam innerhalb von 24 Stunden eine bestimmte Strecke zu wandern. Schlaf ist dabei, je nach Streckenlänge, optional.

Stattdessen: viele Kilometer, viele Höhenmeter. Anstrengend, schweißtreibend, und – aus Erfahrung – machbar. Die Hürde ist mehr im Kopf als in den Beinen.*

(Obwohl die Beine irgendwann auch wehtun… 😉 )

Aber jeder**, mit dem ich vorher darüber gesprochen habe, sagte fast wortwörtlich das Gleiche: „Das würde ich NIE schaffen!“

Nun sind die meisten dieser Menschen nicht weniger sportlich als ich. Oder als einige andere Menschen, die da mitgelaufen sind. Will sagen: Wenn ICH ohne vorheriges Training eine bestimmte Strecke schaffe, dann würden viele andere das auch schaffen.

Trotzdem ist die erste, spontane Reaktion bei den meisten „Das würde ich nie schaffen!“.

Warum eigentlich?

Irgendwo in meinem Kopf ist da ein „Wissen“ über das, was ich schaffen kann. Und irgendwo in deinem Kopf ist ein „Wissen“ über das, was du schaffen kannst.

Aber offensichtlich greifen diese Limits zu kurz. Unsere Grenzen sind dehnbarer, als wir glauben.

Oder anders gedacht: Was könntest du alles erreichen, wenn du nicht sicher „wüsstest“, dass du es nie schaffen wirst?


* Ja, es gibt körperliche Grenzen. Teilweise werden bei solchen Wanderungen Strecken gelaufen, von denen ich mir tatsächlich nicht sicher bin, ob ich sie ohne vorheriges Training durchhalten würde.

Aber ich kann das sagen, weil ich aus Erfahrung weiß, wieviel ich tatsächlich schon geschafft habe, und wieviel „Luft nach oben“ dabei noch war… Und ich kann auch aus Erfahrung sagen, dass selbst solche noch längeren Strecken allemal einen Versuch wert wären. Es ist erstaunlich, wieweit man über seine eigenen (angenommenen) Grenzen hinauskommen kann.

Wovon ich hier spreche, sind aber gemäßigte Strecken, die durchschnittlich fitte, gesunde, aber nicht speziell trainierte Erwachsene bei solchen Wanderungen tatsächlich regelmäßig durchhalten.

** Ich geb’s zu: „Jeder“ ist eine schamlose, effekthascherische Übertreibung.

Tatsächlich haben ein paar Menschen gar nichts gesagt (was sie gedacht haben, will ich vielleicht gar nicht wissen).

Einer ist selbst schon einmal eine 24-Stunden-Wanderung mitgelaufen und weiß deshalb, dass er es schafft.

Und eine, eine einzige, hat ganz spontan über längere Wanderungen nachgedacht. (Nur zu, Frau B.! Machbar ist es, und Sie haben ja selbst gesehen, wieviel Endorphin dabei ausgeschüttet wird… 😉 )