Dein Bild von dir selbst

Du hast ein Bild von dir selbst, irgendwo in dir drin.

Ein ganz genaues Bild davon, wie du aussiehst. Wie du dich in jeder Situation verhältst. Wie erfolgreich du bist. Mit welchen Menschen du zusammenkommst. Wie du auf diese und auf andere Menschen reagierst. Wie du lebst. Was du gerne isst und ob du gerne Sport treibst. Ein Bild davon, was dich zum Lachen bringt und was dir Angst macht.

In jeder Sekunde deines Lebens versuchst du, diesem Bild gerecht zu werden. Es ist dein eigener Anspruch an dich selbst, so zu sein und nicht anders.

Veränderung beginnt damit, dein eigenes Bild von dir selbst zu verändern.

Noch mal am Anfang stehen…

Gibt es in deinem Leben eine Zeit, in der du frei warst?

Frei von Sachzwängen, Verpflichtungen, Geldsorgen. Frei von Anforderungen. Frei von Menschen, um die du dich kümmern musst, und von Dingen, die erledigt werden müssen?

Eine Zeit, in der du die Wahl hattest, was du mit deinem Leben anfangen willst. Die Freiheit, jeden Tag zu entscheiden, was du tun willst. Die Freiheit, deinen eigenen Weg zu gehen, wo auch immer der hinführt. Selbst wenn du diese Freiheit damals gar nicht wahrgenommen oder genutzt hast?

Vielleicht am Anfang deines Studiums, oder am Ende deiner Schulzeit? Während eines Aufenthalts im Ausland oder einer längeren Zeit ohne Arbeit? Vielleicht bevor die Kinder kamen, oder bevor du all die Dinge gekauft hast, die jetzt bezahlt und versorgt werden müssen?

Damals wusstest du diese Freiheit wahrscheinlich nicht zu schätzen. Aber damals warst du auch noch nicht der oder die, die du heute bist.

Wenn du jetzt, mit all deiner Lebenserfahrung, noch einmal so leben könntest wie damals – was würdest du tun, an das du damals gar nicht gedacht hast? Was würdest du dich trauen, das du dich damals nicht getraut hast? Was würdest du aus deinem Leben machen?

Und was hält dich davon ab, genau diese Dinge heute zu tun?

Erfolg durch das „richtige“ Selbstbild?

Manche Bücher lege ich nach dem Lesen zur Seite, reibe mir verwundert die Augen und frage mich: War mir das nicht alles vorher schon klar?

Bei genauerem Nachdenken stellt sich dann aber manchmal heraus, dass ich mir diese Dinge genau so doch noch nicht vergegenwärtigt hatte (und sie ganz sicher auch nicht konsequent in meinem Leben umgesetzt habe). Aber die Erkenntnisse aus diesen Büchern sind eben so einleuchtend und überzeugend, dass es mir so vorkommt, als ob ich das alles immer schon gewusst hätte.

Solch einen „Ja klar doch!“-Moment hatte ich auch bei der Lektüre von Carol Dwecks „Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt“.* Weiterlesen Erfolg durch das „richtige“ Selbstbild?

„Das würde ich NIE schaffen!“

Neulich, eine 24-Stunden-Wanderung…

Falls du das Konzept nicht kennst: Menschen treffen sich, um gemeinsam innerhalb von 24 Stunden eine bestimmte Strecke zu wandern. Schlaf ist dabei, je nach Streckenlänge, optional.

Stattdessen: viele Kilometer, viele Höhenmeter. Anstrengend, schweißtreibend, und – aus Erfahrung – machbar. Die Hürde ist mehr im Kopf als in den Beinen.*

(Obwohl die Beine irgendwann auch wehtun… 😉 )

Aber jeder**, mit dem ich vorher darüber gesprochen habe, sagte fast wortwörtlich das Gleiche: „Das würde ich NIE schaffen!“

Nun sind die meisten dieser Menschen nicht weniger sportlich als ich. Oder als einige andere Menschen, die da mitgelaufen sind. Will sagen: Wenn ICH ohne vorheriges Training eine bestimmte Strecke schaffe, dann würden viele andere das auch schaffen.

Trotzdem ist die erste, spontane Reaktion bei den meisten „Das würde ich nie schaffen!“.

Warum eigentlich?

Irgendwo in meinem Kopf ist da ein „Wissen“ über das, was ich schaffen kann. Und irgendwo in deinem Kopf ist ein „Wissen“ über das, was du schaffen kannst.

Aber offensichtlich greifen diese Limits zu kurz. Unsere Grenzen sind dehnbarer, als wir glauben.

Oder anders gedacht: Was könntest du alles erreichen, wenn du nicht sicher „wüsstest“, dass du es nie schaffen wirst?


* Ja, es gibt körperliche Grenzen. Teilweise werden bei solchen Wanderungen Strecken gelaufen, von denen ich mir tatsächlich nicht sicher bin, ob ich sie ohne vorheriges Training durchhalten würde.

Aber ich kann das sagen, weil ich aus Erfahrung weiß, wieviel ich tatsächlich schon geschafft habe, und wieviel „Luft nach oben“ dabei noch war… Und ich kann auch aus Erfahrung sagen, dass selbst solche noch längeren Strecken allemal einen Versuch wert wären. Es ist erstaunlich, wieweit man über seine eigenen (angenommenen) Grenzen hinauskommen kann.

Wovon ich hier spreche, sind aber gemäßigte Strecken, die durchschnittlich fitte, gesunde, aber nicht speziell trainierte Erwachsene bei solchen Wanderungen tatsächlich regelmäßig durchhalten.

** Ich geb’s zu: „Jeder“ ist eine schamlose, effekthascherische Übertreibung.

Tatsächlich haben ein paar Menschen gar nichts gesagt (was sie gedacht haben, will ich vielleicht gar nicht wissen).

Einer ist selbst schon einmal eine 24-Stunden-Wanderung mitgelaufen und weiß deshalb, dass er es schafft.

Und eine, eine einzige, hat ganz spontan über längere Wanderungen nachgedacht. (Nur zu, Frau B.! Machbar ist es, und Sie haben ja selbst gesehen, wieviel Endorphin dabei ausgeschüttet wird… 😉 )