Dich selbst im Alltagswahnsinn nicht verlieren

Der alltägliche Wahnsinn: Irgendwo zwischen Job, Familie, Emails, gesunder Ernährung, den Erwartungen Anderer, zwischen Versicherungspost und Arztterminen… irgendwo dazwischen sitzt DU. Und manchmal fühlt es sich so an, als ob du dich inmitten von Chaos und Stress selbst irgendwie verloren hast.

Aber warum ist das so? Und viel wichtiger: Wie schaffst du die Balance zwischen deinem Alltag und dir selbst?

Wie schaffst du die Balance zwischen deinem Alltag und dir selbst?

Neulich habe ich mir hier die Frage gestellt „Was will ich wirklich?“ und dabei auch über „Grundwerte“ geschrieben, die deinem Leben einen roten Faden verleihen können.

Als ich dieses Konzept der Grundwerte für mich entdeckt hatte, war ich zuerst begeistert. Zum ersten Mal konnte ich einigermaßen klar sehen, wo ich als nächstes mit meinem Leben hin will (oder wenigstens, wo ich ganz sicher NICHT hin will. Das ist ja oft noch mehr wert!).

Aber im Lauf der Zeit habe ich für mich festgestellt, dass das Besinnen auf meine eigenen Grundwerte mir eigentlich noch etwas viel Wichtigeres bietet:

Hilfe und Orientierung im Alltagswahnsinn.

Ich nehme einfach mal an, dass viele deiner Tage so aussehen wie meine: Ungefähr 153 Dinge müssen noch erledigt werden. Darunter lang aufgeschobene Dinge (endlich Zahnarzttermin ausmachen). Schon zu lang aufgeschobene Dinge (Winterstiefel für die Kinder besorgen). Dinge mit Deadline (KFZ-Versicherung vor dem 30.11. umstellen). Wirklich, WIRKLICH dringende Dinge (Toilettenpapier einkaufen). Das alles natürlich mal eben neben deiner Arbeit her. Schließlich hat der Tag 24 Stunden, und dann hast du ja auch noch die Nacht zur Verfügung…

Zusätzlich klingelt noch das Telefon. Ein Kind braucht kurzfristig ein Kindergeburtstagsgeschenk. Das Essen für morgen muss vorgekocht (oder wenigstens vorgedacht) werden, weil alle unterwegs sind und ihr euch nur die Klinke in die Hand gebt.

Dann sind da noch die eigentlich wichtigen Sachen: Kind 1 will Monopoly mit dir spielen, während Kind 2 Hilfe beim Englisch Lernen braucht. Du wolltest schon lange deine Schwester zurückrufen. Mit deinem Partner oder deiner Partnerin in Ruhe für eine Stunde zusammensitzen und ein Glas Wein trinken (oder mal wieder gemeinsam ins Kino gehen). Dich seit Monaten mit ein paar Freunden treffen. Diese Woche endlich WIRKLICH konsequent Sport machen und gesünder essen.

Ach ja, und irgendwo dazwischen sitzt du und fühlst dich ein wenig verloren.

Das alles zu schaffen, das geht nicht. Allen Anforderungen zu entsprechen, allen Menschen gerecht zu werden, alles gut und richtige zu machen — völlig unmöglich.

Der gesunde Menschenverstand sagt uns also, dass wir Abstriche machen müssen. Uns auf Kompromisse einlassen. Akzeptieren, dass manche Dinge unerledigt bleiben.

Trotzdem verfallen wir oft automatisch in einen ganz hinterhältigen Teufelskreis: Wenn nicht genügend Zeit übrig bleibt, dann muss ich mich eben besser organisieren. Und dahinter der Gedanke: Ich bin eben einfach noch nicht gut genug.

Jetzt will ich an dieser Stelle ganz klar sagen, dass man sich mit guter Organisation tatsächlich den Alltag um einiges leichter machen kann. Ich habe hier selbst schon einiges ausprobiert, vieles wieder verworfen und (wenig) für wirklich gut und auch noch alltagstauglich befunden. (Vielleicht schreibe ich darüber ein andermal…)

Egal, wie gut du dich organisierst, es werden immer mehr Anforderungen übrig bleiben, als du Tag hast.

Aber das Tückische hier ist wirklich: Egal, wie gut du dich organisierst, es werden immer mehr Anforderungen übrig bleiben, als du Tag hast.

Doch, ehrlich. Du kannst es ausprobieren. Irgendwo wirst du immer Kompromisse machen müssen.

Und an dieser Stelle hat mir die Entdeckung der Grundwerte meine Gelassenheit und meine Freude am Alltag mit den Menschen um mich herum wiedergegeben.

(Na schön, an den meisten Dingen des Alltags. Das Bad zu putzen oder Versicherungsunterlagen abzuheften finde ich immer noch reichlich öde…)

Wie kann das funktionieren? Wie kann dir so ein abstraktes Konzept helfen, deinen alltäglichen Wahnsinn leichter zu bewältigen?

Grundwerte sind die Dinge, nach denen du dein Leben ausrichtest, weil sie dir wirklich wichtig sind.

Die Betonung liegt hier übrigens auf DIR! Ehrlichkeit wird nicht deshalb zu deinem Grundwert, weil deine Eltern immer sehr viel Wert darauf gelegt haben. Pünktlichkeit wird nicht deshalb zu deinem Grundwert, weil du Angst um deinen Arbeitsplatz hast, wenn du zu spät kommst. Als DEINE Grundwerte zählen ganz strikt nur die Dinge, die für DICH wirklich wichtig sind. Ganz egal, was andere von deiner Werteliste halten… 😉

Grundwerte an sich sind dabei abstrakt. Dinge wie Freundschaft, Respekt, Freiheit oder Glück sind einfach zuerst mal wenig greifbar und können eine ganze Menge verschiedener Dinge bedeuten.

Wenn du deine Grundwerte aber im Alltag lebst, werden sie auf einmal fassbar und können dein Leben verändern. Dir diese persönlichen Werte regelmäßig klarzumachen, wird nach und nach dein Verhalten in Alltagssituationen beeinflussen und dein Leben damit erfüllter machen.

Wenn du dir beispielsweise bewusst gemacht hast, dass dir der Grundwert „Freundschaft“ besonders wichtig ist, dann wird es dir auch leichter fallen, Zeit für einen kurzen Anruf bei einer Freundin oder für einen gemütlichen Kaffee mit einem Freund zu finden. (Und im Gegenzug notfalls auch mal die Wäsche noch für einen Tag liegen zu lassen. Manchmal sind Prioritäten und Kompromisse notwendig, und deine Grundwerte helfen dir dabei…)

Damit veränderst du nicht auf einmal dein komplettes Leben — aber kleine Entscheidungen verändern deine Lebensqualität und tragen dich dann auch über den Tag.

Wie oft stehst du im Alltag vor solchen (vermeintlich) „kleinen“ Entscheidungen: Mit deinem Sohn ein paar Minuten Ball spielen oder die Steuerunterlagen abheften? Die Pasta mit Sahnesauce nehmen oder die Gemüseplatte? Für sich genommen machen diese kleinen Entscheidungen und die paar Minuten hier oder dort nicht viel aus. In der Summe über deinen Tag oder deine Woche gesehen, sind sie aber entscheidend dafür, ob du ein erfülltes Leben führst, das sich an DEINEN Grundwerten ausrichtet.

Du kannst nicht alles machen, und schon gar nicht alles perfekt.

Und hier kommt die vermeintliche „Work-Life-Balance“ wieder ins Spiel: Du kannst nicht alles machen, und schon gar nicht alles perfekt. Aber du kannst dir immer wieder für die Dinge Zeit nehmen, die dir wichtig sind – aber nur wenn du weißt, was dir überhaupt wichtig ist….

Und wie hilft dir das jetzt bei den großen, den schwierigen, den komplexen Entscheidungen weiter?

Ganz einfach: Wenn du deine eigenen Grundwerte kennst… wenn du dich regelmäßig darin übst, kleine Entscheidungen entlang deiner Grundwerte zu treffen… wenn du gelernt hast, damit zu leben, dass eine Entscheidung für eine Sache (oder für einen deiner Werte) immer auch eine Entscheidung gegen andere Dinge bedeutet…

… dann fällt es dir bei den wirklich großen, wichtigen Entscheidungen auch leichter, deine eigene Richtung zu sehen und auf deine eigenen Werte zu hören.


Dies ist der zweite Teil meiner Serie über Grundwerte. Den ersten Teil findest du hier: Was will ich wirklich?

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