Wer du wirklich bist

Ich gebrauche in meinen Texten ja oft Formulierungen wie „deinen eigenen Weg finden“, oder auch „dein Selbst“ oder „dein wahres Ich“. Aber was ist das eigentlich, dein „wahres Selbst“? Wer bist DU?

Auf diese Frage gibt es ungefähr so viele Antworten, wie es Menschen gibt, die darüber nachdenken. Hier geht es mir aber nicht um eine philosophische, psychologische oder religiöse Diskussion, sondern um eine pragmatische Antwort, die uns auf unserem Weg der Offenen Türen weiterhilft.

Oder anders ausgedrückt: Hier ist meine persönliche Antwort auf die Frage, wer wir im Grunde sind, und was das für unseren Lebensweg bedeutet…

Ich glaube, dass wir alle im Kern etwas haben, das uns ausmacht. Ob du das nun „Gene“ nennst oder „angeboren“ oder „spirituelles Wesen“ oder deinen „Geist“, das ist im Grunde egal – es gibt ein Selbst, aus dem dein aktuelles Du sich entwickelt und speist.

Dieses zugrundeliegende Selbst, dein Inneres Wesen, entspricht nicht einer fixen Persönlichkeit. Du und ich, wir können und werden uns im Laufe der Zeit verändern. Unser Innerstes aber (wenn du so willst: die „Anlagen“, die wir haben), das bleibt uns erhalten und entfaltet sich im Lauf der Zeit auf unterschiedliche Weise.

Einerseits bleibt unser Selbst also im Kern unverändert. Und gleichzeitig bietet es uns einen Überfluß an Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Wir können und dürfen, ja sollen uns sogar im Lauf der Zeit verändern, um unserem Selbst gerecht zu werden. Dieser innere Kern, der uns ausmacht, hat also sowohl eine statische als auch eine dynamische Seite.

Unser Selbst kann damit viele verschiedene Ausprägungen annehmen. Diese Ausprägungen sind unsere Persönlichkeit, wie wir sie in jedem Moment unseres Lebens leben. Während das Selbst mit seinen Möglichkeiten im Kern gleich bleibt, hängt es von unseren Erfahrungen, unseren Wertvorstellungen, unseren Erlebnissen, Gedanken und unserer Umgebung ab, welche dieser Möglichkeiten wir als Persönlichkeit zum Ausdruck bringen.

Deshalb wird sich unsere Persönlichkeit, unser „Ich“, auch im Lauf der Zeit verändern – aber dabei immmer aus dem schöpfen, was unser Inneres Wesen sozusagen als „Möglichkeiten“ anbietet.

Ein sehr schüchterner Mensch lernt vielleicht (durch bewusstes und gezieltes Training, oder durch positive Erfahrungen), selbstbewusster aufzutreten. Deshalb wird er nicht gleich zum Partylöwen, aber die äußere Persönlichkeit hat sich eben doch verändert. Das zugrundeliegende Wesen ist aber das Gleiche geblieben. Und vielleicht hat dieser Mensch die Veränderung sogar bewusst angestoßen, weil er gemerkt hat, dass er mit seiner sehr schüchternen Art anderen, wichtigen Aspekten seines Selbst nicht gerecht werden kann…

Und hier haben wir wieder den Bogen zurückgeschlagen zum Weg der Offenen Türen:

Was wir tun und wohin wir auf unserem Weg gehen, das muss zu unserem Inneren Selbst passen, sonst können wir nie unser eigenes Leben leben. Eine Diskongruenz zwischen unserem Selbst und unserem Leben, oder unserem Selbst und der Persönlichkeit, die wir nach außen leben, macht uns „tief in uns drin“ unzufrieden, vielleicht auch antriebslos, gereizt oder sogar krank.

Wer wir sind, unser eigenes Ich, bestimmt auch, welche Gelegenheiten und Möglichkeiten im Leben wir überhaupt als Offene Türen wahrnehmen, und welche einfach nur „auch eine Option“ sind.

Und schlussendlich sollte unsere jeweilige Persönlichkeit nicht nur irgendwie zu unserem Inneren Wesen passen. Sondern gerade in der andauernden Veränderung unserer Persönlichkeit besteht für uns die Chance, unserem eigentlichen Wesen, unserer Bestimmung, näher zu kommen und damit unseren ganz eigenen Weg zu gehen.

Ich bin davon überzeugt, dass es nicht nur den einen, einzigen, richtigen Weg für uns gibt — viele Facetten unseres Selbst bedeuten auch, dass wir unseren Weg auf viele Arten gehen können. Eine verpasste Chance ist deshalb kein Grund zu lebenslanger Trauer oder Wut, sondern eine Gelegenheit, uns über unseren Kern, unser Inneres Wesen, klarer zu werden und eine neue, für uns passende Offene Tür zu sehen.

Wichtig ist deshalb nicht, dass wir alles richtig machen. Wichtig ist, dass wir uns mit allen unseren Facetten immer wieder neu kennenlernen, dass wir die damit einhergehende Veränderung unserer Persönlichkeit akzeptieren und genießen, und dass wir uns immer wieder auf den nächsten Schritt auf unserem Weg einlassen, der jetzt gerade in diesem Moment unser nächster Schritt ist.

Das ist der Weg der Offenen Türen.

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